Zur SMV-Homepage
 
Aktuelles SMV-Leben Mitgliederaktivitäten Jugendarbeit Modellbahnpraxis MOROP
Termine Impressum / Datenschutz Kontakt Intern
 
 
Modellbahnpraxis
Fahrzeuge
Anlagen
Suche & Biete
Wettbewerbe

 


 


 

SchienenJobs

 


 

Dampfbahn-Route Sachsen
 
Nebenbahn-Einheitstriebwagen VT 135
H0-Modellfahrzeug-Betrachtung

Wenige Jahre nach Gründung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (DRG), im Jahre 1925, wurden die ersten Verbrennungs-Triebwagen gebaut. In umfangreichen Versuchen mit den verschiedensten Kraftübertragungs-Systemen enstanden eine Reihe zwei- und vierachsiger, einteiliger aber auch mehrteiliger Verbrennungs- Triebwagen. Mitte der dreißger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es die unterschiedlichsten Bauarten, so dass man sich entschloß, Ordnung zu schaffen und sich für ein Kraftübertragungs-System zu entschied. Schließlich setzte sich der dieselmechanische Antrieb von MAN durch. So entstanden die ersten Einheits-Triebwagenbauarten, zu denen auch der 135 062 zählt. Am Bau der Triebwagen waren außer MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) auch die Waggon- und Maschinenbau AG Bautzen, Rathgeber AG München und die Maschinenfabrik Esslingen beteiligt.

Die Triebwagen erhielten einen 6-Zylinder-Dieselmotor von MAN mit einer Leistung von 150 PS (1500 U/min). Das mechanische Vierganggetriebe entsprach der Bauart Mylius. Die gesamte Maschinenanlage befand sich Unterflur unter dem Wagenfußboden in einem Tragrahmen. Nur der Motor ragte etwas in den Wagenkasten hinein. Er lag unter einer hoch zu klappenden Sitzbank. Damit Geräusche und Schwingungen nicht auf den Wagenkasten übertragen wurden, stützte sich der Tragrahmen auf den Radsatzachsen ab. Zur Gewichtseinsparung wurde der Leichtbau und die Schweißtechnik bei der Fertigung der Einheitstriebwagen angewendet.

Da diese Triebwagen für Nebenbahnen bestimmt waren, gliederte sich der Innenraum in zwei Führerstände, dem Fahrgast- und einem Gepäckraum. Ergänzt wurde der Innenraum durch ein Abortabteil. Für den Gepäckraum waren Schiebetüren und den weiteren Einstieg Drehtüren vorhanden. Der Fahrgastraum bot 36 Personen und der Gepäckraum 2 Personen einen Sitzplatz. Zusätzlich gab es sowohl im kleinen Führerstand, als auch im Gepäckraum Klappsitze, insgeamt vier. Der VT 135 062 wurde 1937 in Dienst gestellt. Zuletzt war er bis zu dessen Auflösung am 31.12.1965 im Bahnbetriebswerk Dresden-Pieschen beheimatet. Seinen Dienst versah er auf der Strecke Bad Schandau – Sebnitz. Zur Verstärkung konnte an den Triebwagen ein Beiwagen gekuppelt werden. In der Regel war es ein VB 140 (CPostv-36), der anfangs noch einen gesonderten Postraum hatte. Allerdings war es auch möglich, dass auf den Nebenbahnen ein Güterwagen mitgenommen wurde. Die Gattungsbezeichnung für den Triebwagen lautet: CPwVT-34.

Die H0-Modelle

Das PIKO-Modell des VT 135 062 erschien zur Leipziger Frühjahrsmesse 1963, das Tillig-Modell 42 Jahre später im Jahr 2005. Da beide das gleiche Vorbild haben, sind sie bestens für eine Gegenüberstellung geeignet, um die Entwicklung der Modelleisenbahnfertigung in den vergangenen Jahrzehnten aufzuzeigen!

Konstruktionsjahr 1963

PIKO-Modell des VT 135 062 mit Beiwagen von 1963, teilweise mit I-Kupplungen nachgerüstet.

Exportartikel

Kleinserienmodell des DMV der "DFS" für den "Westexport" auf Basis des PIKO-Modells.

1963 stellte das PIKO-Modell eine neue Fertigungstechnologie vor, die es bis dahin noch nicht gab. Bisher wurden für die Fertigung der Modellbahnantriebe gestanzte Blechplatinen verwendet, in welche die Getriebachsen eingenietet wurden. Dabei gab es in der Montage große Probleme, da die Toleranzen bei Stanzteilen nur schwer einzuhalten waren. Um dieses Problem zu umgehen, erfand der damalige PIKO-Chefkonstrukteur, Ing. Erhard Fickert, eine neue Vorfertigungstechnologie. Nach wie vor wurden Blechplatinen ausgestanzt, jedoch spielte die Genauigkeit für die Lagerung der Getriebeachsen keine Rolle mehr. Vielmehr wurden die Platinen in eine Spritzform eingelegt und die Lagerstellen und andere Funktionsteile mit Kunststoff ausgespritzt. Dies neue Technologie garantierte stets eine präzise Wiederkehrgenauigkeit der erforderlichen Funktionsmaße für die Getriebe, die Radsätze und den Motor. Die beiden Platinen bildeten mit dem Motor, dem Getriebe und den Radsätzen eine geschlossene Einheit. Der Motor war mit einem dreiteiligen Anker ausgerüstet, der einen Durchmesser von 24 mm hatte. Das wiederum hatte den Vorteil, dass der große Anker in etwa wie eine Schwungmasse wirkte, so dass stromlose Stellen leicht überfahren wurden. Der Nachteil dieses geschlossenen Antriebs bestand darin, dass er den gesamten Raum des Modells ausfüllte. An eine Inneneinrichtung war nicht zu denken. Außerdem mussten die Fenstereinsätze aus schwarzem Kunststoff gespritzt werden, um den Antrieb zu verdecken. Die Stirnlampen waren beleuchtet, doch ohne Lichtwechsel versehen. Erstmals wurde bei einem PIKO-Modell das Gehäuse auf dem Fahrgestell aufgerastet.

Die äußere Gestaltung entsprach weitgehend dem Vorbild, entsprechend den damaligen Möglichkeiten, und es war weitestgehend maßstäblich umgesetzt!

Als im Jahr 2005 erstmals das Tillig (Sachsenmodell)-Modell erschien, war man allgemein der Meinung, man hätte doch ein Vorbild auswählen können, das es im Modell noch nicht gibt. Es war trotzdem eine gute Entscheidung, wie sich bald zeigen wird.

Stellte das PIKO-Modell 1963 eine sehr gutes Erzeugnis des VEB PIKO Sonneberg dar und blieb es auch viele Jahre hinweg, so ist das Tillig-Modell eine gelungene Weiterentwicklung entsprechend der heutigen Möglichkeiten in der Modelleisenbahn-Fertigung und Vorfertigung, einschließlich Werkzeugbau. Die heutzutage zur Verfügung stehenden kleinen, leistungsstarken Motoren ermöglichten es, wie beim Vorbild den Motor unterhalb des „Fußbodens“ unter zu bringen. Die Radsätze bilden mit dem Getriebe jeweils eine Einheit und sind so im Rahmen montiert, dass durch eine Dreipunktlagerung ein optimale Radsatzauflage und damit eine sichere Stromabnahme aus dem Gleis gewährleistet ist. Die Stromaufnahme erfolgt über alle vier Räder. Auf dem Motor sitzt eine Schwungmasse, so dass auch das Überfahren stromloser Gleisstellen sicher erfolgt. Auf zwei Leiterplatten sind alle notwendigen elektronischen Bauteile, wie die NEM-Schnittstelle für den Decodereinbau, die gelben Leuchtdioden für die Stirnbeleuchtung, auf der Leiterplatte unterhalb des Daches die Leuchtdioden für die Innenraumbeleuchtung untergebracht.

Im Gegensatz zum PIKO-Modell gestattet der Unterflurantrieb den Einbau einer Inneneinrichtung und damit auch glasklare Seiten- und Stirnfenster. Übrigens sind die Proportionen Fensterbreite zu Fensterhöhe beim Tillig-Modell vorbildgenau getroffen. Ein Vergleich mit Vorbildaufnahmen zeigt das ganz deutlich.

Natürlich bilden Farbgebung und Bedruckung des Modells auch heute ganz andere, entscheidende Möglichkeiten. Das zeigt sich u.a. daran, dass die weinrote Farbgebung auch über den Seiten- und Stirnfenstern vorhanden ist, unterhalb der Fenster der Zierstreifen schwarz – elfenbein – schwarz dargestellt und am Langträger über dem elfenbeinfarbenen Zierstreifen noch der schwarze Streifen des Langträgers zu erkennen ist. Alle Anschriften sind sauber und lesbar sowohl am Wagenkasten, als auch am Langträger aufgedruckt.

Konstruktionsjahr 2004

Modell des VT 135 062 aus dem Jahr 2005 von Tillig (Sachsenmodelle).

Äußerste Sorgfalt wurde auf das aufwendig konstruierte Fahrgestell gelegt. Die Achslager sind ebenso wie die Bremsbackensätze, Trittstufen, die Kühlschlange (auf Vorbildaufnahmen ohne Rippen ?), Schaltkästen mit Toilettenfallrohr, Bremsschlauchträger, Luftkessel und Kupplungsaufnahmen Einzelteile, die extra am Rahmen montiert werden. Sind beim PIKO-Modell alle Teile am Unterteil angraviert, so befinden sie sich beim Tillig-Modell (z.B. Kühlschlangen, Schaltkästen u.a.) genau an der Stelle, wo sie beim Vorbild angebracht sind. Dadurch wird eine sehr gute Tiefenwirkung erzielt. Alle Einzelteile sind exakt graviert .

Zur Vervollständigung des Modells liegen Teile wie Zughaken, Bremsschläuche, Griffstangen (die z.B. beim PIKO-Modell angraviert sind und dadurch nicht so vorbildgetreu wirken), Steckdosen für die Stirnwände und Scheibenwischer für das mittlere Stirnwandfenster zum Selbstanbringen bei. Übrigens sind die Stirnfenster im Gegensatz zum PIKO-Modell richtig umgesetzt worden; d.h. die Fensterstreben gehen schräg nach oben zur Dachkante – nicht senkrecht.

War das PIKO-Modell seinerzeit richtungsweisend, weitgehend vorbildtreu und maßstäblich entsprechend den technologischen Möglichkeiten und den zur Verfügung stehende Materialien, so ist das Tillig-Modell ein perfektioniertes Erzeugnis, was vor 40 Jahren kaum durch Handarbeitsmodelle erreichbar war. Die Fahreigenschaften, die vorbildtreue, detailierte Gestaltung, exakte Farbgebung und Bedruckung sind kaum noch zu überbieten. Allerdings- und wie sollte es auch anders sein, gibt es immer noch etwas zu verbessern. So sind die Anschriften am Wagenkasten (außer dem Eigentumsmerkmal „DR“) und am Langträger teilweise zu klein geraten. Interessant, wie unterschiedlich nach Vorbildaufnahmen die Rollenachslagerdeckel vom Konstrukteur gesehen werden. In diesem Punkt hat ausnahmsweise das PIKO-Modell die Nase vorn. Ein Problem gibt es, wenn man das Gehäuse vom Rahmen abgenommen hat und es später wieder aufsetzen will. Die Einzelteile „Kühlschlange“ und „Schaltkasten“ werden in den Rahmen eingelegt. Beim Aufsetzen des Gehäuses fallen sie meist wieder heraus. Man könnte sie einfach einkleben, doch bessser wäre es, die einzulegenden T-förmigen Nasen würden nach oben verlängert. Sie müßten bereits vom Gehäuse erfaßt werden, bevor es fest auf dem Rahmen aufsetzt und einrastet.

Um die Scheibenwischer anzubringen, soll ein Loch mit dem Durchmesser 0,9 mm gebohrt werden. Das setzt voraus, dass jeder Kunde, der ein Modell erwirbt, dazu auch die Möglichkeiten hat. Dabei soll der Kunde selbst entscheiden, ob er den Scheibenwischer unterhalb oder oberhalb des Fensters anbringt. Vorbildaufnahmen von 1959 zeigen z.B. eindeutig, dass die Scheibenwischer oben angebracht waren. Da das Modell Untersuchungsdaten von 1961/62 hat, wäre eine genaue Festlegung möglich und das Loch könnte bereits im Gehäuse vorhanden sein.

 Maßvergleich PIKO- und Tillig-Modell des VT 135
 Maße in mm
Vorbil 1:87
Piko-Modell
Tillig-Modell
 Länge über Puffer
 12280 141,2
141,1
141,0
 Achsstand  7000  80,5  79,9  80,7
 Wagenbreite  3075  35,3  36,0  35,0
 Wagenhöhe über SO
 3530  40,6  40,2  40,2
 Fensterbreite  1200  13,8  13,2  14,0
 Fensterhöhe  870  10,0  9,2  10,0

Günter Driesnack, Fotos: Rainer Ippen

Literaturhinweise:
[1] H.J. Obermayer, Triebwagen, Weltbild Verlag 1995
[2] R. Zschech, Triebwagen-Archiv, transpress, Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1970
[3] PIKO-Informationsblatt Nr. 10 vom November 1963
[4] Dipl. Ing. Häßlich, Dipl. Ing. Driesnack, Modell des VT 135 062 der DR
[5] „Der Modelleisenbahner“ 9/1963, Seite 230/231.   
 
weitere Beiträge

Der DT15 "Stettin"

Der interessante Lok-Lebenslauf

Jungbrunnen

Nebenbahn-Einheitstriebwagen VT 135
Drehgestell "Görlitz III leicht"
Lagerung von Fahrzeugen
Verbesserung an Rocos BR 35 (H0)