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Dampfbahn-Route Sachsen
 

Viel Eisenbahn, Lagerfeuer, Zelten…

Nachwuchsmodellbahner verbringen abwechslungsreiches Wochenende

Für die meisten Kinder und Jugendliche ist die Modellbahn ein großartiges Hobby. Viele treten deshalb (mittlerweile wieder) in die örtlichen Vereine ein, um sich dort mit Gleichgesinnten auszutauschen sowie von den dortigen "Altgedienten" zu lernen. Doch wie sieht es mit dem Interesse oder dem Verständnis an der großen Eisenbahn - der im Maßstab 1:1 - aus?

Einige in der SMV - vor allem auch der Autor dieses Artikels - waren der Meinung, daß die heutige Eisenbahn nicht mehr in der Lage ist, die gleiche Begeisterung und Leidenschaft zu wecken, wie dies einst die Staatsbahnen mit ihrem großen und abwechslungsreichen Verkehrsaufkommen vermochten (mehr dazu am Ende dieses Artikels). Deshalb liebäugelten einige Verantwortliche schon länger mit der Idee, den Modellbahnnachwuchs einmal die Möglichkeit zu geben, die klassische, große Eisenbahn hautnah zu erleben.

 

 
 

Dank des Engagements von Lars Hempelt, Förderer der SMV und einst auch Beisitzer für Jugendarbeit, war schnell ein Gastgeber gefunden. Die Eisenbahnfreunde vom Windbergbahn e.V., die sich den Erhalt der sächsischen Semmeringbahn von Freital Birgkit nach Dresden Gittersee auf die Fahnen geschrieben haben, mußten nicht lange überzeugt werden, modellbahnbegeisterte Kinder und Jugendliche für ein Wochenende zu empfangen.

Mitte Juli 2014 luden die Windbergbahner und die SMV zur Premiere ein. Unter dem Motto "GANZ GROSSE EISENBAHN für junge Modellbahner" waren 10 bis 18 Jährige in den Museumsbahnhof Dresden Gittersee eingeladen. Auf dem Programm standen Aktivitäten wie Streckenwanderungen, Führerstandsmitfahrten, Gleisbau - aber auch historisches und ein Museumsbesuch. Gemeinsames Zelten und Lagerfeuer sollten Abenteuerlust und Gemeinschaft wecken.

Gefolgt waren der Einladung sieben Kinder bzw. Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren. Für die, die westlich von Dresden zu Hause sind, war bereits die Anreise recht abenteuerlich. Die erfolgte nämlich - standesgemäß - mit dem Zug und (zwangsläufig) dem Bus. Die Fahrt mit dem Franken-Sachsen Express klappte noch ohne besondere Vorkommnisse. Der Stadtbusverkehr der Landeshauptstadt machte da schon mehr Probleme. Im Wirrwarr der Linie 66 und 63 verloren die "Landeier" den Überblick und lernten ebenso ländliche Ecken von Dresden kennen. Glücklicherweise gelang nach reichlich Umstiegen und deutlich später als geplant die Ankunft am Museumsbahnhof.

Da es zu dem Zeitpunkt leider regnete, sammelten sich Gäste und Gastgeber erst einmal im Güterschuppen und bestaunten die Exponate. Mike Scholz, seines Zeichens Geschäftsführer beim Windbergbahn e.V. und engagierter Gastgeber für den SMV Nachwuchs, gab einen kurzen Abriß über die Geschichte der Windbergbahn und belehrte die Gäste über die Gefahren, die es beim Entdecken des Museumsbahnhofs gibt. Nachdem auch das Wetter ein Einsehen hatte, konnten dann auch alle zum Erkunden des Museumsbahnhofs aufbrechen. Vor allem die zahlreichen abgestellten Fahrzeuge hatten es dem Modellbahnnachwuchs angetan. Es wurden Pläne für den Nachbau eines sehr speziellen SKL gefaßt.

Für das Abendbrot stand grillen am Güterschuppen auf dem Plan. Kurzentschlossen kam die Idee auf, nochmal den Startpunkt der Windbergbahn - den Bahnhof Freital-Birkigt - zu besichtigen. Neben der örtlichen Fauna interessierten sich die Nachwuchsmodellbahner vor allem für den Wasserkran und die erst im letzten November neu errichteten und rund 15m langen Schrankenbäume. Erläuterungen zum Anschluß an die Hauptstrecke von Dresden nach Zwickau sorgten für Aufsehen, da allen klar war, wieviel Arbeit hier noch vor den Freunden vom Windbergbahn e.V. liegen.

Nach der Rückkehr nach Gittersee stellte man fest, daß auch die Wiesen halbwegs abgetrocknet waren und dem Aufbau der Zelte für die erste Nacht nichts im Wege stand. Beim letzten Tageslicht und mit Hilfe eines erfahrenen Campers unter den Jugendlichen gelang es geradeso, die zum Teil recht pompösen Campingresidenzen aufzubauen und einzurichten. Und da das Hobby Eisenbahn so viel Gesprächsstoff bietet, entschied sich die Jugend erst kurz nach Mittag, die lockere Runde zu beenden und sich schlafen zu legen.

Der Samstagmorgen begann mit einem zünftigen Frühstück - gemeinsam mit all den Ehrenamtlichen der Windbergbahn, die sich jeden Samstag zum Arbeitseinsatz treffen. Während die "Großen" dann zum Arbeiten aufbrachen, machte sich der Modellbahnachwuchs auf zu einer Wanderung. Ziel war der Marienschacht, der ungefähr 2km vom Museumsbahnhof entfernt liegt. Für den Hinweg wurde ein Wanderweg durch das idyllische Kaitzbachtal gewählt. Angekommen am Marienschacht, weckte zunächst die aufgebaute Grubenbahn das Interesse der Kinder. Da sich der Lokomotivführer für später angekündigt hatte, stand erst eine Besichtigung des Schachthauses an. Unter sachkundiger Führung erfuhren die Gäste einiges über die Geschichte des Steinkohlebergbaus der Region, den Schacht selbst und natürlich die zahlreichen technischen Anlagen.

Im Anschluß lud das kleine Museum unmittelbar vor dem Schacht zur Besichtigung ein. Die IIm-Modellbahn, die den Kohletransport nachstellte, weckte großes Interesse und sorgte für reichlich Fragen und Diskussionen. Die Vereinsmitglieder des Vereins, der die Bergbaugeschichte im Museum und im Schacht lebendig hält, luden die jungen Besucher zum Mittagessen ein. Diese Verschnaufpause nutze Thomas Bohne, Vorsitzender der SMV, um den Teilnehmern noch ein Präsent zur Erinnerung an die Veranstaltung zu übergeben: ein H0-Bausatz des Wartehauses Dresden-Gittersee, der dankenswerterweise vom SMV-Förderer Auhagen bereitgestellt wurde.

Nach dem Essen bestand dann endlich die Möglichkeit, eine Runde - oder vielmehr ein hin und her - mit der Grubenbahn zu drehen. Es versteht sich, daß die "Rumpelbahn" mit ihrem eigenwilligen Aussehen und Fahr- bzw. Sitzgefühl zu einigen Fragen an den Lokomotivführer führte.

Der Rückweg Richtung Gittersee erfolgte auf der früheren Trasse des Abschnitts Bannewitz-Gittersee. Da sich dieser - wie die gesamte Strecke - in großen Bögen entlang der Berge windet, war diese Wanderung nun mit über 5km mehr als doppelt so lang. Auf dem Weg konnten einige Reliquien des Eisenbahnbetriebs bestaunt werden. Interessant war vor allem der Haltepunkt Boderitz-Cunnersdorf. Zum einen bietet die Lage einen wunderbaren Blick auf die Landeshauptstadt Dresden. Zum anderen haben die Windbergbahner den Haltepunkt in den zurückliegenden Jahren wieder zu einem Schmuckstück hergerichtet. Auch wenn kein Bahnbetrieb mehr stattfindet (und auch nicht zu erwarten ist), bietet der Haltepunkt ein eimaliges Flair.

Nach der langen Wanderung zurück nach Gittersee stand eine Lehrstunde im Stellwerk auf dem Programm. Der örtliche Fahrdienstleiter bot den Nachwuchsmodellbahnern die Möglichkeit, ihre Kraft beim Stellen von Weichen oder Gleissperren unter Beweis zu stellen. Die Schlüsselabhängigkeiten wurden erklärt und führten bei manch einem zu längerem Grübeln. Abschluß bildete eine Wanderung zum Einfahrtssignal A, wo auch nochmal Muskelkraft beim Überprüfen der Signallaterne gefragt war. Bei sieben muskelbepackten Modellbahnern wurde der Schlitten mit der Laterne unzählige Male hoch und runter gedreht.

Am Abend wurde wieder gegrillt. Dabei waren wieder die Vereinsmitglieder der Windbergbahn, die mittlerweile von den Arbeitseinsätzen zurückgekehrt waren und Neuigkeiten von der Strecke berichteten. Im Güterschuppen, wo es entsprechend dunkel war, lud dann ein abendliches "Kino" ein. Videos über die Geschichte der Windbergbahn standen ebenso auf dem Programm wie Aufnahmen von den verschiedenen Arbeiten, die der Verein für den Erhalt und die Wiederinbetriebnahme der Strecke erledigen muß.

Mit Knüppelbrot und Marshmallows klang der Abend für den SMV-Nachwuchs und die Freunde der Windbergbahn am Lagerfeuer aus. Zur Überraschung der "Erwachsenen" verfügte der Nachwuchs trotz des anstrengenden Tages noch über reichlich Energie und entschied sich erst weit nach Mitternacht, den Rückzug in die Zelte in Betracht zu ziehen.

Auch der Sonntag begann mit einem gemeinsamen Frühstück vor der Güterabfertigung. Im Anschluß stand schwere Arbeit an. Zuerst wurde gewandert: auf der Strecke von Gittersee hinab bis zur Gleisbaustelle kurz vor Freital-Birkigt. Zahlreiche Besonderheiten und leider auch Schäden im Oberbau wurden den Kindern erläutert. An der Gleisbaustelle angekommen hieß es dann, kräftig mit anzupacken. Mit vereinten Kräften galt es, alten Schotter aus dem Gleisbett zu schaufeln, eine neue Schwelle einzuschieben und zu versuchen, die Schienenstühle und Gleise zu verschrauben. Trotz der Anstrengung und doch recht schweißtreibendem Wetter waren alle angetan von dieser Lehrstunde, da sich solch eine Möglichkeit sonst kaum bietet. Vor allem wurde den Modellbahnern deutlich bewußt, welche Leistung die "großen" Eisenbahner hier vollbringen müssen... und welche Leistung vor über 150 Jahren in den Aufbau des gesamten Eisenbahnnetzes gesteckt werden mußte.

Nach der Rückkehr zum Museumsbahnhof und dem gemeinsamen Mittagessen mußten die Zelte abgebaut und die Abreise vorbereitet werden. Eine Höhepunkt stand jedoch noch an: Führerstandsmitfahrten in der vereinseigenen Kö. Einige Male ging es mit der über 80 Jahre alten Lokomotive über die gesamte Bahnhofslänge. Wer gerade keinen Platz im Führerhaus hatte, machte Fotos und Videos von der Fahrt. Der Lokomotivführer, der ebenso zum Windbergbahn e.V. gehört, wurde mit Fragen gelöchert und stand geduldig Rede und Antwort. Nach Gruppenfotos gab es auf Wunsch der Kinder nochmal eine Scheinanfahrt.

Auch das schönste (Eisenbahn-)Wochenende geht einmal zu Ende. Gegen 15 Uhr hieß es für alle Beteiligten Abschied nehmen. Hinter den SMV-Modellbahnern -  egal ob Nachwuchs oder Betreuer - lagen aufregende, ereignis- und lehreiche Tage. Und auch den Freunden der Windbergbahn schien das Wochenende Spaß gemacht zu haben. Eine Wiederholung dieser Veranstaltung... "da sollte man durchaus drüber nachdenken".

An dieser Stelle möchte die SMV allen Beteiligten vom Windbergbahn e.V. nochmals herzlich für die Gastfreundschaft und das engagierte Programm danken. Allen voran gilt unser Dank Mike Scholz, der das gesamte Wochenende mit den Besuchern auf dem Museumsbahnhof verbrachte und für jede Frage und jeden Wunsch ein offenes Ohr hatte.

Wer sich einmal selbst ein Bild von der Arbeit des Vereins und vom technischen Denkmal Windbergbahn machen will, hat dazu bspw. beim 7. Gitterseer Bahnhofsfest am 13. und 14. September 2014 wieder die Möglichkeit. Ein Besuch lohnt auf jedem Fall!

Zu guter Letzt möchte der Autor nochmal auf seine Vorurteile im zweiten Absatz zu sprechen kommen. Die decken sich nämlich nicht mit der Realität! Bereits bei der Zugfahrt Richtung Dresden überschlugen sich die Mitreisenden Kinder und Jugendliche mit Erzählungen und Anekdoten rund um die Eisenbahn - nicht die Modellbahn! Einige hatten detailliertes Wissen über die Probleme und Vorzüge der "Kippelzüge" (BR612) sowie derzeitige Fahrzeugumläufe in Sachsen. Andere glänzten mit Wissen über Geschichte und Aktuelles der lokalen Eisenbahnstrecken. Das Wissen kommt von Vereinskollegen, dem Internet oder auch - ganz klassisch - aus Büchern. Ganz offensichtlich gelingt es also auch der heutigen Eisenbahn doch, Interesse und Begeisterung bei der Jugend zu wecken! Wenn sich Vereine und Dachverbände darauf konzentrieren, dieses Interesse zu fördern, fachlich zu unterstützen und den Austausch mit Gleichgesinnten zu organisieren, wird engagierter und kompetenter Nachwuchs das Modellbahn- und Eisenbahnhobby auch in Zukunft weiterführen.

 

Text: Mirko Caspar (GV)
Fotos: Lars Hempelt (SMV014)

 
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