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Weite Reise für großartige Erlebnisse

Internationaler Jugendtreff in Südfrankreich

Vom 24. - 30. Oktober 2014 lud der Modellbahnclub aus Perpignan in Südfrankreich zu einer großen intereuropäischen Modellbahnausstellung ein, die auch Teil des 5. Internationalen Treffens junger Modelleisenbahner war. Aus Zschopau, Zwönitz und Zwickau sendete die SMV Teilnehmer zu diesem Treffen.

Ein persönlicher Erlebnisbericht von Lukas Junghanns gibt einen Rückblick auf die zahlreichen Aktivitäten.

 

 
 

Wer sich freiwillig auf eine 27stündige Zugreise begibt, der muss entweder verrückt oder sehr eisenbahnbegeistert sein. Oder aber, er besitzt gute Beweggründe, eine derartige Reise anzutreten. Auf 12 sächsische Modelleisenbahn- und Eisenbahnfreunde, mich eingeschlossen, treffen wohl alle drei Punkte zu. Deshalb scheuten wir keine Mühen und machten uns am Abend des 24.10. auf den Weg ins ca. 1500km entfernte Argelès im südlichsten Teil von Frankreich. Doch bis zum Erreichen der dortigen Ausstellung sollte uns die Reise noch einige Erlebnisse bescheren.

Erste Probleme gab es beim "Entern" des Nachtzuges: Neben den zahlreichen Koffern – manch einer hätte wohl zugegebenermaßen zwei Wochen mit seinem Gepäck bleiben können – transportierten wir noch drei Module, mit denen wir unseren Teil zur internationalen Ausstellung beitragen wollten. Doch der überengagierte Zugbeleiter in Hannover war der Meinung, dass unsere Holzkisten den Rahmen der Beförderungsbedingungen sprengen würden und erklärte es als kostenpflichtiges Sperrgepäck. Ok, was soll’s! Da sagen wir doch die Ausstellung nicht wegen der paar Euro ab und lassen unsere Module nicht auf dem Bahnsteig stehen.

Nach einer mehr oder weniger schlafarmen Fahrt nach Paris – wohin auch sonst, denn so  gut wie keine Zugfahrt durch Frankreich führt an der Metropole vorbei – machten wir uns zunächst mit der Metro zu unserem Abfahrtsbahnhof auf. Da wir noch eine beachtlich Wartezeit von 5 Stunden hatten, blieb noch ein wenig Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt wie Louvre, Notre-Dame oder Champs-Elysée "abzuklappern". Dank Metro und S-Bahn waren auch längere Wege kein Problem. Allerdings mussten wir feststellen, dass die Drehkreuze trotz der robusten technique française nicht für bereits gewaschene Tickets vom Vorjahr ausgelegt sind.

Zurück am Gare de Lyon, Paris‘ Tor zum Süden, trafen wir die ersten Freunde aus Tschechien und anderen Teilen Frankreichs, die aus demselben Grund den TGV nach Perpignan betraten wie wir. Dabei wurden die tschechischen Kollegen mit dem gleichen Problem wie wir in Hannover konfrontiert – allerdings ging es hier nicht so einfach ab. Stolze 174 Euro Sperrgepäckzuschlag knöpfte der bärbeißige Zugchef des TGV den Modellbahnern aus Tschechien für ein einziges Modul ab. Mit Hochgeschwindigkeit durchquerten wir das Zentalmassiv, konnten die Randalpen sehen und schließlich auch das Mittelmeer.

Um 20 Uhr und noch bei mediterranen 20°C stiegen wir in Perpignan aus dem recht engen Doppelstock-TGV aus. Sofort wurden wir von unseren französischen Gastgebern herzlichst empfangen. Zum Empfangskomitee gehörte auch eine Gruppe von der Modellbahn AG des Thomas-Mann Gymnasiums Stutensee (bei Karlsruhe), die auch nach Südfrankreich eingeladen waren aber die fade Anreise mit dem Auto wählten. Dieser Teil der Gruppe, der auch in den letzten Jahren an den internationalen Treffen des Modellbahnnachwuchses teilnahm bzw. sogar selbst veranstaltete, wird im weiteren mit dem kreativen und selbsterwählten Namen "Reisegruppe Delfin" bezeichnet.

Gepäck in den Autos verstauen und auf zum Restaurant, immer entlang einer Palmenallee. Dort war für die mittlerweile beachtliche "Meute" von vielleicht 40 Mann (und damit sind tatsächlich nur Männer gemeint) ein katalanisches Drei-Gänge-Menü bestellt. Regionale Spezialitäten von Sardellensalat, über Schweinebacke, welche wegen des Wappentieres erst als Eselfleisch identifiziert wurde, bis hin zu Créme catalan wurde uns ein Festschmaus geboten.

Nachdem definitiv alle gesättigt waren liefen wir zurück zum Bahnhof und fuhren mit den Autos zur Ausstellungshalle nach Argelès - dem Ort, wo das große Ereignis stattfinden sollte. Erste Module und Anlagenteile waren bereits aufgebaut und die Größe der Halle überwältigte. Doch der Abend war schon vorangeschritten und daher packten wir nur die Koffer um, teilten die Schlafgelegenheiten zu und verließen die Halle schon wieder. Die Teilnehmer des Treffens der Technischen Kommission Eisenbahnerbe (FISAIC) wurden in Ferienwohnungen mit Meerblick untergebracht und die Jugendlichen hatten Freude an amerikanischen Bungalows. Ob die Bungalows Freude an den Jugendlichen hatten, soll an dieser Stelle nicht weiter betrachtet werden.

Der nächste Tag begann mit dem typisch französischen Frühstück: Baguette sowie  Kaffee und Milch aus Schüsseln. Doch noch zuvor, auf der Hinfahrt zur Halle wurden wir überwältigt. Einerseits von dem strahlenden Sonnenschein andererseits vom spektakulären Blick auf die grünen Pyrenäen und das Meer. Der Rest des Tages war zum Module aufbauen vorgesehen. Dabei wurde das ganze mit extremer südländischer Ruhe ausgeführt und auch schwerwiegende, meist elektrische Probleme, mit Bedacht gelöst. Die FISAIC-Gruppe unternahm einen Tagesausflug in die Berge mit einer exklusiven Eisenbahn. Und wir hatten uns nach dem Aufbau einen Gang zum nur 15min Fußweg entfernten Strand verdient. Das Wasser lud mit noch sommerlich warmen 21°C zum Baden ein, und der Sand eignete sich super zum Leutevergraben. Als wir nach dem gelungenen Strandaufenthalt zurückkamen, hatte sich schon einiges getan und der Fahrbetrieb konnte – ausgenommen von noch immer bedächtig zu lösenden elektrischen Problemen - fast aufgenommen werden.

Während der nächsten zwei Tage war die Ausstellung für die Öffentlichkeit von 10:00 bis 18:00 geöffnet. Nach ein paar Startschwierigkeiten beim Fahrbetrieb rollte alles ohne Probleme an den Modulen und Anlagen aus Frankreich, Spanien, Tschechien und Deutschland durch. Die FISAIC-Gruppe machte wieder Tagesausflüge: nach Perpignan und Villefranche, dem Startbahnhof des berühmten "Gelben Zuges", oder in ein gemütliches Grenzörtchen zu Spanien. Die Fahrdienstleiter wechselten diplomatisch ihren Dienst und konnten so auch abwechselnd zum Strand gehen. Ein Highlight bildete der Austellerabend am Samstag mit großem Festessen und einer Disko, bei der neben den Jugendlichen auch die "Junggebliebenen" auftauten. Zurück in den Schlafquartieren erschwerten uns kleine Neckereien wie Wasserbombenattacken durch die Franzosen oder eine qualmende Mikrowelle bei Reisegruppe Delfin das Ins-Bett-Gehen und die Erwachsenen hatten mit der schweren internationalen Arbeit zu kämpfen.

Nach einer gelungenen Ausstellung mit reichlichen 2000 Besuchern hieß es für den Großteil der FISAIC-Gruppe aus Deutschland schon wieder Abschiednehmen und die abenteuerliche Rückreise antreten. Diese war überschattet von einer Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle, beginnend mit einem defekten Zug, über einen falsch gewählten Zug bis hin zu einem stundenlangen Autobahnstau bei der Abholung ab Erfurt. Während die Heimreisenden am Rande der Verzweiflung standen genossen wir Teilnehmer des Jugendtreffens noch das mediterrane Klima und bauten die Reste der Ausstellung ab, sofern dies nicht schon Sonntagabend geschehen war. Nach getanem Dienst hatten wir uns einen letzten Strandgang verdient.

Dann hieß es Au revoir! Meer und Bonjour! Berge. Denn an die Ausstellung schloss sich für den jugendlichen Teil die Deutsch-Französische Jugendwoche mit Modellbahnworkshops und Tagesausflügen an. Dafür fuhren wir in das mitten in den Pyrenäen gelegene Thuès. Nach einer schlafreichen Autofahrt von um die 2h erreichten wir das Haus. Ein Traum für die verspielte Truppe: verwinkelt, mit den vielen Eingängen beinah schon mysteriös und keiner weit und breit den wir hätten stören können. Zusätzlich lag dieses Heim der französischen Eisenbahn direkt an der Strecke des "Gelben Zuges" und so konnten wir jeden Abend wie ausgemacht die Bauarbeiten auf genau unserem Streckenabschnitt sehen. Denn wegen Bauarbeiten an der Strecke verkehrten zu dieser Zeit leider keine gelben Züge.

In den nächsten Tagen reihten sich die schönen Erlebnisse aneinander: Ausflug zu einer Zahnradbahn ins spanische Vall de Nuría, Besichtigung absolutistischer Verschanzungsanlagen, Führung am größten wissenschaftlich genutzten Parabolspiegel der Welt oder eine Wanderung inklusive Zapfenschlacht am Stausee zur Stromgewinnung für den "Gelben Zug" sind nur einiger der atemberaubenden Erlebnisse. Abends wurden nach dem 100% selbstgekochten Essen Schachduelle ausgetragen, sich Kissenschlachten geliefert und, nicht zu vergessen, die Workshops bis spät in die Nacht hinein praktiziert. Dabei standen Lasercutbausätze, Ätzbausätze eines französischen Gleissperrsignals und Prellböcke zur kreativen Gestaltung an den drei Abenden unter fachlicher Anleitung der Vereinsvorsitzenden zur Verfügung. Es wurde sich gegenseitig geholfen, manchmal nahe am Rande zur völligen Verzweiflung und so schweißten sich neben den Ätzbausätzen auch die Freundschaften zwischen West- und Ostdeutschen, sowie Franzosen und Tschechen zusammen.

Umso schwerer viel es uns, also der Jugendgruppe des SMV, schon am Abend des 30.10. Abschied zu nehmen. Der restliche Teil, der noch bis zum Tag darauf blieb, verabschiedete uns mit freundschaftlichen Handschlägen bis hin zu herzlichen Umarmungen und wir mussten wieder einmal einsehen, daß auch die schönste Zeit einmal zu Ende geht.

Blieb nur noch die Zugfahrt gen Heimat, die sich zwar nicht so abenteuerlich wie die unserer älteren Gruppe gestaltete, jedoch aber keineswegs langweilig. In besonderer Erinnerung wird wohl die Enge des französischen Nachtzuges bleiben, die unsere Bettanzahl um zwei verringerte. Doch es wäre ja gelacht, wenn wir nicht dafür auch eine Lösung gefunden hätten mit der wir sogar die französischen Schaffner – die weitaus gelasseneren Umgang pflegten als der auf der Hinfahrt erwähnte Zugchef des TGV - zum Erstaunen und Schmunzeln brachten.

Angekommen in der Heimat warteten grauer Himmel und vertrauliche Kühle ebenso auf uns, wie der Abschied von den über sie sächsischen "Z-Städte" verteilten Teilnehmer. Da lässt sich zum Schluss nur noch sagen: egal wie lang und wie abenteuerlich eine Zugreise ist, bei solchen unvergesslichen und spektakulär schönen Erlebnissen lohnt sich jede Reise um den Globus

Übrigens: Auf Einladung der SMV wird das 6. Internationale Treffen junger Modelleisenbahner im Oktober 2015 in Deutschland stattfinden.

 

Text: Lukas Junghanns (SMV126)
Fotos: Lukas Junghanns (SMV126), David Bertin (F), Pierre Lherbon (F)

 
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