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MOROP Kongress 2005
in Hönefoss/Norwegen

Der 52. MOROP – Kongress fand in diesem Jahr vom 20.08. – 26.08. in Hönefoss statt. Hönefoss liegt ca. 60 km nordwestlich von Oslo. Es ist eine Gebietshauptstadt (Komune Ringerike) mit ca. 10.000 Einwohnern. Für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich sind die meist nur zweistöckigen Häuser, landestypisch überwiegend in Holzbauart, in einer solch bedeutenden Stadt. Nur einige wenige öffentliche Gebäude sind in Klinkerbauweise oder Beton gehalten. Ebenso ungewöhnlich die Öffnungszeiten der Geschäfte. Außer einem großen Supermarkt, ähnlich unseren Kaufland Märkten mit einer Reihe anderer Geschäfte unter einem Dach, der bis 20.00 Uhr öffnet, liegen die Öffnungszeiten zwischen 9.00 Uhr und 17.00 Uhr.

Vielleicht lag es an der viel zu späten Veröffentlichung des offiziellen Programms des Kongresses, an den hohen Preisen in Norwegen, an der großen Reiseentfernung oder auch an den noch währenden Schulferien in Deutschland, daß der Kongreß einen Negativrekord in der Teilnehmerzahl darstellt. Es waren 55  Eisenbahnfreunde gemeldet. Von der SMV waren zwei Teilnehmer dabei. Seitens der Industrie waren von der Firma „Modellbahn GmbH“, ex Roco, und von der Firma Tillig Vertreter in den Beratungen der TK anwesend. An dieser Veranstaltung, die traditionell den Auftakt des Kongresses darstellt, nahmen 19 Vertreter der Mitgliedsverbände teil. In der Vorstandssitzung wurde erneut über die Novellierung der Kongreßordnung beraten, um einen weiteren so wenig besuchten Kongreß zu vermeiden. Sicherlich wird es für die norwegischen Eisenbahnfreunde ein finanzieller Verlust geworden sein, da sie eine Mindestteilnehmerzahl von 120 Besuchern benötigt haben.

In der TK wurden die im Frühjahr diskutierten Themen fortgesetzt. Dabei konnten die Normen 121 (Zahnradbahnen), 123 (Querschnitt des Bahnkörpers für Schmalspurbahnen), 201 (Fahrdrahtlage) und 202 (Stromabnehmer bei Oberleitungsbetrieb) abschließend behandelt und der Delegiertenkonferenz zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Damit finden die Werte für elektrische Schmalspurbahnen Eingang in die Normen für die normalspurigen Bahnen. Die NEM 670 und 671, die sich mit dem digitalen Datenformat der DCC Steuerung beschäftigen, sind den Änderungen des NMRA Standards S9, denen sie entsprechen müssen, angepasst worden. Die Normen, die von der Arbeitsgruppe Elektrik bearbeitet werden, verursachten in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten sowohl in der Übersetzung als auch in der praktischen Anwendung und Umsetzung. In einer länger andauernden Diskussion, vor allem zwischen den deutschsprachigen und den frankophilen Vertretern, konnten in dieser Sitzung die Unstimmigkeiten geklärt werden. Dies war unter anderem durch die sehr gute fachbezogene Übersetzungsarbeit von Herrn Bräuniger (Modellbahn GmbH) möglich. Dabei zeigte sich, dass insbesondere die französische Sprache eine sehr feine Unterscheidung der Begriffe und damit eine sehr differenzierte Wortwahl erfordert. Außerhalb des Protokolls wurden in einem Bericht von Herrn Bräuniger die Ursachen und Hintergründe für den Konkurs der Firma Roco erläutert. Kurz zusammenfassend läßt sich feststellen, dass die Hauptursache in einem falschen Management der Firmenleitung zu suchen ist, die auftretenden Qualitätsmängeln in Produktion und Logistik trotz ihrer deutlichen Anzeichen und Vorwarnungen nicht begegnen wollten. Die Folge war eine nicht mehr zu beherrschende Reklamationsflut, die nicht nur zu Umsatzeinbußen führte, sondern vor allem eine immense Kostenexplosion durch Nacharbeit verursachte. In den letzten Monaten wurden über 50% des Monatsumsatzes innerhalb vierzehn Tagen nach Auslieferung von Händlern und Kunden reklamiert. Die logische Konsequenz war der Zug an der Notbremse durch die Hausbank, der 96 % der Firmenanteile gehören. Nunmehr wird der Neustart der Firma mit früheren - von Herrn Maegdefrau beurlaubten oder wegen seines Führungsstils freiwillig gegangener - führenden Mitarbeitern unter der Leitung der Bank begonnen. Ein Sanierungskonzept unter der Leitung von Herrn Maegdefrau und weiterer Produktion auch im Salzburger Raum scheiterte an der Haltung des „Alleineigentümers“ Maegdefrau.

Der von dem Norwegischen Modellbahnverband organisierte Kongress bot in seinem ab Montag beginnenden Kulturprogramm eine Reihe von Veranstaltungen, die zum Kennenlernen des Landes gut geeignet waren. Ein norwegischer Deutschlehrer hatte sich für alle Veranstaltungen als Dolmetscher erboten. Er verstand es sehr gut, das Leben der Norweger zu beschreiben. Leider besteht auch in Norwegen der Drang, ein funktionierendes Eisenbahnsystem zugunsten der Autos zu zerstören. So ist auch Hönefoss, einst ein Knotenpunkt im norwegischen Schienennetz zu einer fast eisenbahnlosen Stadt geworden. Zwei Eilzugpaare von Oslo nach Bergen sind die einzigen noch existierenden Personenzüge. Die Stadt hat einen Keilbahnhof mit zwei Strecken um den Tyrifjord nach Oslo, die aber außer dem erwähnten Eilzügen Oslo – Drammen – Hönnefoss – Bergen, nur noch gelegentlich Güterzügen dienen. Viele stillgelegte, aber noch gut erhaltene Strecken, sind die Folge der Politik. Dafür sind LKW`s mit sechs Achsen im Lastzug die Regel. So sind die Teilnehmer des Kongresses auch viel mit Bussen unterwegs gewesen. Das Essen an den Tagen war von einer Reihe norwegischer Spezialitäten gekennzeichnet, die durchweg den Geschmack der Teilnehmer fanden.

Der erste Tag bot einen Besuch im Drammener Modellbahnclub und einem Automobilmuseum mit großer Modellbahnanlage in Horten, dem einstigen Hauptstützpunkt der norwegischen Marine. Zwischen den Stationen gab es Gelegenheit mit Regelzügen zu fahren. Der Personenverkehr um die Hauptstadt Oslo wird mit Vororttriebwagen meist älterer Bauart abgewickelt. Für den Verkehr zum Flugplatz Gardermoen gibt es eine zweigleisige Neubaustrecke, die mit sehr modernen schnellfahrenden Triebzügen befahren wird. Übrigens die einzige zweigleisige Strecke, die zu sehen war. Ansonsten waren alle Strecken eingleisig und elektrifiziert. Dabei ist der überwiegende Teil der Masten noch aus Holz. Nur die Quertragewerke sind allgemein an Metallmasten befestigt. Auch die Züge von Oslo nach Bergen werden mit sehr modernen Triebwagen mit Neigetechnik befahren.

Der zweite Tag bot die Bekanntschaft mit einer weiteren Ausstellungsanlage im H0-Maßstab, die Teile der Randsfjordbahn nachbildete. Dann teilte sich die Gruppe in Oslo. Während ein Teil das Vickingermuseum und den Hafen besichtigten, ging der andere Teil in die Katakomben der unterirdischen NSB Station. Unter dem Bahnsteig, in einem der Notausgangsstollen, konnte ein Modellbahnclub besucht werden, der eine Modulanlage in der Nenngröße I und eine in H0 betreibt. Die Anlagen waren von allerhöchstem gestalterischen Niveau, wie Modulstücke im Allgemeinen erwartet werden. Neben den sehr schön gestalteten Anlagen gab es eine Reihe von Messing-Eigenbaumodellen und Kleinserienmodelle nach norwegischem Vorbild zu sehen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und dem kulturellem Erlebnis der Kunsthandwerksausstellung im Bärum-Werk am Stadtrand von Oslo, wurde eine 600-mm-Schmalspurbahn besichtigt und befahren. Die Fahrzeuge dieser Bahn, der Lommedalsban, sind aus dem Bestand der Eisenbahnpioniere der norwegischen Armee. Die Strecke ist künstlich errichtet, d.h. an dieser Stelle gab es nie eine Eisenbahn. Das Empfangsgebäude wurde nach einem ehemals bestehenden Vorbild aufgebaut. Die Strecke umfasst derzeit ca. 800 m und wird derzeit noch erweitert.

Am dritten Tag wurde die 750mm Schmalspurbahn der Aurskog – Hölandban besucht. Eine Bahn, die von der Spurweite in Norwegen äußerst selten ist. Es gab nur zwei: eine bei Narvik, die andere in Bingfoss. Die Strecke für den Museumsverkehr geht heute von Sörumsand über Bingfoss nach Fossum – einem „Bahnhof“ in der Mitte von Nirgendwo. Im Straßenatlas Skandinavien des ADAC ist die Strecke mit Tertittbahn gekennzeichnet. Die Strecke diente ursprünglich vorwiegend dem Transport von Holz und Erzeugnissen daraus aus den Bingfoss umgebenden Wäldern. Wie bei der sächsischen Strecke von Klotzsche nach Königsbrück, wurde auch bei dieser Bahn die Verwendung von Containern, sprich Wagenkästen der schmalspurigen Bahn, für den Transport auf der Hauptbahn vorgenommen. Heute sind noch zwei Dampfloks aus der sächsischen Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, Chemnitz von 1909 (Fabr.Nr. 3356) und 1925 (Fabr.-Nr. 4658) und eine Hentschel Dampflok von 1950 vorhanden. Alle Loks befinden sich, wie die Wagen, die von den zwei ehemals existierenden 750-mm-Bahnen zusammengetragen sind, in einem hervorragenden Erhaltungszustand. Neu gebaute Fahrzeughallen und sehr gut restaurierte alte Lokschuppen geben dem rollenden Material eine sichere Unterkunft. Ein Besuch im Modellbahnclub Klofta, mit einer vereinseigenen großen H0-Anlage und dem Besuch im ortsansässigen Modellbahngeschäft (leider ohne Erzeugnisse aus Sachsen) rundeten den Tag ab. Auffallend bei den Besuchen der Modellbahnclubs war, dass alle ihre Anlagen mit Digitaltechnik ausgestattet haben. Dabei kam neben dem Märklinsystem bei Verwendung von Märklintechnik das DCC System zur Anwendung.

Am vierten Tag war eine Reise auf der Kröderenbahn (Kröderbanen) angesagt. Diese verläuft von Vikersund (einem namhaften Skisprungort) nach Kröderen. Der weitere Transport der Waren und Personen nach Norden erfolgte per Dampfschiff über den Kröderensee. Diese 26 km lange, als Sekundärbahn in Kiesbett gebaute Bahn war für Güterverkehr bis Mitte der achtziger Jahre in Betrieb. Der leichte Oberbau, der nur 11 t Achslast zulässt, verhinderte zeitgemäße Güterfahrzeuge. Der Personenverkehr endete bereits 1958. Aber schon 1975 fanden sich Eisenbahnfreunde, die mit historischen Fahrzeugen einen Museumsverkehr aufbauten. Nunmehr verkehren in den Monaten Juli und August an den Wochenenden dampfgeführte Sonderzüge oder Triebwagen als Sonderverkehr auf Norwegens längster Museumsbahn. Für die kurze Betriebszeit und die geringe Geschwindigkeit bekommt der ehrenamtlich arbeitende Verein jedes Jahr problemlos eine Betriebserlaubnis von den Behörden. Eine Ausstellung von Fahrzeugen aus der Zeit um die Jahrhundertwende rundet das Bild des sehr gut gepflegten Bahnhofes in Kröderen ab. Im Bahnhof befindet sich eine Sammlung historischer Gebrauchsgegenstände und originaler eisenbahntechnischer Ausrüstungen der Diensträume. Der Höhepunkt ist im überdachten Güterschuppen sicher eine englische Satteltank – Dampflok aus dem Jahre 1892, die bis 1964 in Betrieb stand. Ein bemerkenswertes betriebliches Ereignis soll noch erwähnt werden, weil es vermutlich einmalig ist. Zum Erreichen des Bahnsteiges der immer staatlich gewesenen Sekundärbahn, müssen die zwei Hauptgleise im Bahnhof Vikersund von den Reisenden überschritten werden. Das Überschreiten wurde erst genehmigt, nachdem auf beiden Gleisen mit Kabeln die Schienen verbunden waren. Damit wurden im Stellwerk die Gleise als belegt gemeldet und eine Zugfahrt in den leeren Bahnhof verhindert, weil die Einfahrsignale blockiert waren. Dazu gab es spezielle, an den Enden mit Magneten ausgestattete Kabel, die auf die Schienenköpfe aufgelegt wurden.

Insgesamt waren es ereignisreiche Tage mit einer schönen Landschaft. Wer eine Reise nach Norwegen plant, sollte für eine Autofahrt sehr viel Zeit vorsehen. Denn die zugelassenen Höchstgeschwindigkeiten sind sehr gering und werden in Norwegen fast permanent im Abstand von 3 km automatisch überwacht (In Schweden heißt der Blitzkasten „Hastigkeitskamera“. So sollte eigentlich auch der, der keiner der nordischen Sprachen mächtig ist, wissen, worum es geht). Auch wer eine Reise mit dem Zug plant, braucht viel Zeit. Denn auch hier wird nicht mit 160 km/h gefahren und es verkehren nur wenige Reisezüge. Aber dennoch sei allen am großtechnischen Vorbild Interessierten eine Reise nach Norwegen empfohlen.

Der nächste Kongreß findet 2006 vom 26.08. – 01.09. in Kosice statt. Anschlußveranstaltung ist das 8. Heizhausfest am 02./03.09. in Bratislava. Da das vorläufige Kongressprogramm Fahrten in die Grenzregion der Ukraine vorsieht, ist ein Reisepass erforderlich. Für 2007 gibt es eine Einladung vom BDEF nach Regensburg. Sicher wird es bei beiden Veranstaltungen wieder höhere Teilnehmerzahlen geben.

Winfried Seewald

  
 
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