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Der DT15 "Stettin"

Wechselvolle Geschichte eines Einzelgängers

Unter den im Lokschuppen Pomerania, dem ehemaligen Bw Pasewalk, museal erhaltenen Schienenfahrzeugen befindet sich ein besonderes und historisch wertvolles Stück der Eisenbahngeschichte Pommerns: der ehemalige DT15 "Stettin".

 

 
 

Auf der Suche nach geeigneten Fahrzeugen, mit denen sich der Personenverkehr in den 1930-er Jahren auf Nebenstrecken kostengünstig und profitabel abwickeln lassen sollte, ließ die Deutsche Reichsbahn bei den Waggonbaufirmen verstärkt Verbrennungstriebwagen entwickeln. Da diese Fahrzeuge auf Grund des Entwicklungsstandes des Motoren- und Getriebebaus noch recht störanfällig waren, sucht man in der Dampftechnik, die sich bisher im Lokomotivbau bewährt hatte, nach neuen Lösungsansätzen für den Bau von Triebwagen. 1931 wurde von der Firma Wegmann ein neu entwickelter Triebwagen mit einer kompakten automatisch gesteuerten Hochdruckdampfanlage der amerikanischen Firma Doble ausgerüstet. Dieser Versuchswagen kam dann als DT15 "Stettin" vom Bw Pyritz aus in den Einsatz.

Der im Aufbau dem VT75 ähnliche Wagen konnte durch die automatische Steuerung der Dampferzeugeranlage und der damit einhergehenden unkomplizierten Bedienung von einem Triebwagenführer bedient werden. Ein Heizer wurde nicht mehr benötigt. Der Hochdruckdampferzeuger gab den Dampf mit einem Betriebsdruck von etwa 100 bar an den in Tatzlagerbauart aufgehängten Dampfmotor mit nachgeschalteter Getriebestufe zur Erzeugung der Bewegungsenergie ab. Befeuert wurde der Doble-Dampferzeuger mit flüssigen Brennstoffen. Bauartgleiche Anlagen wurden unter anderem in den erfolgreich eingesetzten Dampfkleinloks der Lübeck-Büchener-Eisenbahn verwandt.

Da die Maschinenanlage in diesem Triebwagen die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllte, wurde die Antriebsanlage ausgebaut. Der nunmehr als Beiwagen eingesetzte Waggon erhielt die Nummer "190 394 Cv". Im Jahr 1945 befand sich der Wagen im Bw Heringsdorf auf der Insel Usedom. Hier wurde er mit anderen Beiwagen leichter Bauart auf der Strecke Zinnowitz - Peenemünde im Schlepp einer Rangierlok der V36, später auch eine V22, im Personenverkehr eingesetzt. Diese Verwendung einschließlich einer längeren Abstellzeit als Reservefahrzeug dauert bis etwa 1978. Im Rahmen der EDV-Umzeichnung erhielt der Wagen 1970 die Nummer 190 822-7. Von 1978 bis 1982 befand sich der Wagen in der Einsatzstelle Templin des Bw. Neustrelitz. Damit dürfte dieser Wagen das am längsten ununterbrochen auf der Insel stationierte Eisenbahnfahrzeug gewesen sein.

1982 wurde der Wagen im Bw Pasewalk in einen Prüfwagen für E-Heizungen umgebaut. In dieser Funktion verblieb er in Pasewalk bis zu seiner Ausmusterung. Den Pasewalker Eisenbahnfreunden im Lokschuppen Pomerania ist es zu verdanken, dass dieses Zeitzeugnis alter Eisenbahntechnik nicht verschrottet wurde und so der Nachwelt erhalten blieb.

Das Eisenbahnerlebniszentrum "Lokschuppen Pomerania e.V." ist in der Sommerzeit täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Neben dem (Ex-)Triebwagen gibt es unzählige weitere Exponate zu bestaunen.

 

Text: Jörg Meyer (SMV505)
Fotos: Jörg Meyer

 
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