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Dampfbahn-Route Sachsen

 


 

 
Nachruf Heinz Frey

Am 27. April 2008 verstarb wenige Tage nach Vollendung seines 80. Lebensjahres Fleischermeister Heinz Frey.

Heinz FreyEin langes mit Geduld ertragenes Leiden, die letzten fünf Jahre im Rollstuhl, konnte sein Körper nicht mehr verkraften. Mit Sorge hatten wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich Heinz viele Jahre bemühte, sein Interesse an der kleinen großen Bahn zu bewahren, es aber nicht mehr schaffte. Seinen großen Wunsch, den 137 322 in der „echten“ Nenngröße II e mit 32 mm Spurweite zu vollenden, gelang ihm nicht mehr. Kraft und Lust waren ihm abhanden gekommen.
 
Wir verlieren in Heinz Frey ein großes Vorbild, einen profilierten Modelleisenbahner, guten Freund, Ratgeber und international anerkannten Schöpfer einmaliger Gartenbahnlokomotiven und –wagen sächsischen Ursprungs.

Letzten Endes wirkte er als Vorsitzender und zuletzt Ehrenvorsitzender der Seifhennersdorfer Eisenbahnfreunde e.V. im Rahmen des im Jahre 2001 eröffneten Eisenbahnmuseums Seifhennersdorf.

Wer Heinz Frey persönlich kannte, wird ihn wegen seiner urwüchsigen charmanten Art, sich zu offenbaren, in dem uneigennützigen Weitergeben eigener Erkenntnisse und Erfahrungen, seiner Bescheidenheit und doch auch dem Stolz auf das Geschaffene nie vergessen.

Für den Eisenbahninteressierten Heinz begann die Modellbahnpraxis 1956 mit einem Geschenk seiner Gattin Gudrun, einer Piko-Modellanlage, mit der er sich, damals schon 28-jährig, in der Öffentlichkeit noch recht schwer tat.

Aber seine Leidenschaft war nicht zu bremsen und auch nicht zu verheimlichen, denn im Laufe der Jahre beglückten seine Kunden ihren eisenbahnsüchtigen Fleischer mit allerhand interessanten Blechfunden aus Großvaters Dachboden, dem Grundstock einer heutigen beachtenswerten musealen Blechspielzeugsammlung.

Hauptproblem war viele Jahre, dass im Oberlausitzer Umgebindehaus in Seifhennersdorf zwar ein großer Dachboden für die Modellbahnerei geeignet erschien, doch durch fehlende Isolierung  weder im kalten Winter noch im heißen Sommer wegen der großen Temperaturunterschiede dort ein Modellbahnbetrieb möglich war. Immerhin entstand trotz der Widrigkeiten eine heute noch vorhandene H0/H0e–Anlage.

Der Ausweg hieß Garten und diesem Umstand ist es mehr oder weniger zu verdanken, dass Heinz Frey, der inzwischen gemeinsam mit seinem begabten Sohn Wolfgang, daran ging, ab 1970 mit Gartenbahnfahrzeugen allerlei Couleurs zu experimentieren und somit sich Erfahrung an Erfahrung reihte.

Heute noch im Museum zu besichtigen sind Versuche mit einer Gartenbahn in Spur 0e im Maßstab 1:45  auf Gleisen von 16,5 mm Spurweite oder von Regelspurmodellen der Nenngröße I auf 45-mm-Gleisen. Es entstanden eine preußische S 1 und ein Schienenomnibus VT 2.09 der DR. Als Gleise verwendete man Aluminium-Gardinen“schienen“.

Die enge Verbindung zur Heimat und Interesse am wechselhaften Geschehen bei der großen Eisenbahn, insbesondere das damals bevorstehende Ausweiten des Braunkohlenabbaus um Olbersdorf/Bertsdorf und damit das Ende der Schmalspurbahn Zittau-Oybin-Jonsdorf führten zu der Überlegung, dieser Bahn, in Fahrzeugen und markanten Gebäuden im Maßstab 1:22,5 ein Denkmals zu setzten. Die technische Voraussetzung dazu war die Kunde, dass die Nürnberger Firma Lehman auf der Spielwarenmesse eine „echte“ Gartenbahn im Maßstab 1: 22,5 mit einer Spurweite von 45 mm auf den Markt gebracht hatte. Das war es! Für einen Eisenbahnversessenen gibt es keine Schranken, so dass bald eine LGB-Stainz auf Gardinenschienen im Freyschen Garten ihre Kreise zog.

Sogar bis nach Dresden kam die Nachricht, dass die „Freys“, hier war schon Sohn Wolfgang fest mit eingebunden, aus Lehmann-Triebwerken eine betriebstüchtige ehemalige sächsische IV K  in 1: 20 erfolgreich gebaut hätten. Das war die Geburtstunde des perfekten Modellbaues in der Familie Frey.

Die Kontaktfreudigkeit von Heinz Frey zu vielen Handwerkern im Umkreis von Seifhennersdorf, vielfach natürlich auch geprägt durch die bekannte Mängelproblematik und die Notwendigkeit, denn eigenen Maschinenpark der Fleischerei immer funktionstüchtig zu erhalten, erbrachten eines Tages die Möglichkeit, aus Abfällen von V2A-Blech Gartenbahnschienen in einigermaßen modellgerechter Abmessung herstellen zu lassen. Diese Schienen liegen heute noch auf der Gartenbahnanlage des Museums in Seifhennersdorf und fanden auch den Weg zu befreundeten Gartenbahnern.

Mittlerweile hatte auch die Gießharztechnik im Hause Frey Einzug gehalten, der sich in erster Linie Sohn Wolfgang annahm, aber ohne Heiz Freys Geduld, Schöpferkraft und Fertigkeit vor allem auf Gebiet der Metallbearbeitung, wäre die nun beginnende Erfolgsserie nicht möglich gewesen.

So entstanden im Laufe der Jahre alle sächsischen Schmalspurlokomotiven im Maßstab 1:22,5 für die mittlerweile auf dem Boden entstandene „richtige“ sächsische Spur II e –Anlage mit 32 mm Spurweite und viele 1:20 -Fahrzeuge für die Gartenbahnanlage im Freien, sächsische Personen- und Güterwagen, der berühmte Triebwagen 137 322. Heinz Frey lernte dazu, die Drehmaschine und den präzisen Schnitt mit der Laubsäge zu beherrschen.

Die Perfektion war mittlerweile so weit gediehen, dass man es wagen konnte, am internationalen Modellbahnwettbewerb des Verkehrshauses der Schweiz teilzunehmen und erfolgreich mit silbernen und goldenen Urkunden nach Seifhennersdorf zurückzukehren. Andere Modelle landeten im Musterzimmer der Firma Lehmann.

Noch vorhandene Originalfahrzeuge wurden vielfach persönlich fotografiert und ausgemessen, so dass viele Details dann am Fahreugmodell auch nachgebildet werden konnten und den Fahrzeugen den Status von Museumsfahrzeugen verlieh. Auf diese handwerkliche Kunst angesprochen, hörte man von Heiz Frey den bekannten Satz: „Aber wir sind doch bloß Fleescher“.

Heute im Museum zu bewundern, die maßstäblichen Modelle des Bahnhofsgebäudes von Bertsdorf, des dortigen Kohlen- und des Lokschuppens.
Man bewundere die Präzision des historischen Überladekranes von  Klotzsche, dem Ursprung des Container-Verkehrs auf sächsischer Schmalspur, bei dem in vielen Stunden Heinz Freys Geduld und modellbahnerisches Geschick gefragt war.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Fernsehen auf Heinz Frey aufmerksam wurde und die beliebte Sendereihe „Eisenbahnromantik“ dem Wirken von Heinz Frey mit seinem Sohn ein Denkmal setzte und ihn deutschlandweit bekannt machte und das nicht nur aus guten Tagen. Enge entstandene persönliche Freundschaften mit Produzent und Kameramann taten dazu ihr übriges.

Heinz Frey als Persönlichkeit, als beliebter Mensch, Freund und Kumpel ist im heimischen Eisenbahnmuseum Frey ein bleibendes  Denkmal gesetzt. Nicht nur dort wird man an seine Spuren erinnert, bei allen, die ihn kannten, wird Heinz fortleben und wir werden diesen bescheidenen und wunderbaren Menschen vermissen.

Lieber Heinz, Du hast Dir mit Deinem Leben und Schaffen die ewige Ruhe mehr als verdient, wir danken Dir.

Rolf Steinicke
Eisenbahnfreunde Seifhennersdorf e.V.

Sächsische Modellbahner-Vereinigung
Geschäftsführender Vorstand

  
 
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